U-Bahn-Tunnel im Bau

Aus Alt wird Baustoff: Nachhaltigkeit auf den Wiener Linien Baustellen

Bei den Wiener Linien beginnt Nachhaltigkeit nicht erst auf der Schiene - sie fängt schon beim Bauen an. Statt Aushubmaterial oder Abbruchreste einfach zu entsorgen, werden innovative Wege gesucht, um Ressourcen sinnvoll zu nutzen und klimafreundliche Baustoffe zu schaffen. Das Ergebnis: aus Alt wird Neues und der Kreislauf schließt sich direkt auf unseren Baustellen.


Vom Tunnel zum Ziegel

Ein Pilotprojekt mit dem Baustoffhersteller Wienerberger AG zeigt, wie urbane Kreislaufwirtschaft funktioniert: Der Ton aus dem U2 Tunnelvortrieb bis Matzleinsdorfer Platz wird nicht deponiert, sondern zu hochwertigen Ziegeln weiterverarbeitet.

Aus rund 35.000 Kubikmetern Erdmaterial entstehen so 2,8 Millionen Ziegel - genug für etwa 1.000 Einfamilienhäuser. Sie erfüllen alle Standards für Statik, Dämmung und Schallschutz und sind seit Mai 2026 im regulären Baustoffhandel erhältlich.
 

Aus U-Bahn-Aushub werden Fliesen

Nachdem bei der Klimabiennale 2025 erfolgreich Ziegel aus U-Bahn-Aushub hergestellt wurden, hat man sich im diesjährigen Folgeprojekt gemeinsam mit der Biofabrique Vienna dem Thema Fliesen gewidmet. Unter dem Titel „Clay Edition / Bioregional Tiles“ sind so neue Wandbeläge aus Aushubmaterial des Öffi-Ausbaus U2xU5 entstanden. Ausgangsmaterial ist die Erde beim Ausbau der U2xU5 anfällt.

Das Projekt reicht von der Beforschung der eingebrachten Ressourcen bis zur Entwicklung erster Prototypen für neue Materialien und Baustoffe. Ziel ist, das Material so weiterzuentwickeln, dass es irgendwann wie eine herkömmliche Fliese im öffentlichen Raum – etwa in U-Bahn-Stationen – eingesetzt werden kann.

Recyclingbeton direkt vor Ort

Beim Bau und Erhalt unserer Öffis wird jede Menge Beton benötigt. Um Ressourcen zu schonen und die Kreislaufwirtschaft bei Bauprojekten zu fördern, untersuchen die Wiener Linien gemeinsam mit der TU Wien den Einsatz von Recyclingbeton.


Dafür wurde erstmals bei der U2-Baustelle beim Notausstieg Quellenstraße eine Probewand aus Recyclingbeton errichtet. Das Besondere daran: Für den Beton wurde Material aus einer abgerissenen Mauer wiederverwendet. Aus Abbruchmaterial wird so neuer Baustoff – und das direkt auf der Baustelle.


Die Probewand ist Teil des „Green Infrastructure“-Projekts der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft. Ziel ist es, nachhaltige Baustoffe und innovative Bauweisen für die Infrastruktur von morgen zu testen. Untersucht wird, wie und wo Recyclingbeton künftig eingesetzt werden kann und wie sich das Anwendungsgebiet künftig weiter ausbauen lässt.


Auch bei der Bewehrung geht das Projekt neue Wege: Statt herkömmlichem Stahl kommt Basaltbewehrung zum Einsatz. So lässt sich bis zu 30 % Stahl einsparen – gut für die Umwelt und ein spannender Blick darauf, wie klimafreundliches Bauen bei U-Bahnen künftig aussehen könnte.

Fleißige Baustellen-Bienchen

Nachhaltigkeit endet nicht bei den Baustoffen – auch ökologische Projekte auf den Baustellen selbst sind Teil der Strategie. Auf der Baustelle Matzleinsdorfer Platz leisten fünf Bienenvölker einen Beitrag zur Artenvielfalt in der Stadt. Die Bienenstöcke unterstützen die lokale Bienenpopulation und zeigen, dass auch Baustellenflächen temporär sinnvoll für ökologische Projekte genutzt werden können.

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