Auto-Wette hat Klima und Gelbörse massiv geschont

Drei Monate lang haben 46 Teilnehmer*innen aus 37 Haushalten im Rahmen der Wiener Linien Auto-Wette ihr eigenes Auto in die Garage gestellt und sind auf Öffis, Sharing-Angebote und Co. umgestiegen. Das Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur (BOKU) hat das Projekt wissenschaftlich begleitet und insgesamt 23.310 Wege und 300.673 zurückgelegte Kilometer von April bis inklusive Juli ausgewertet mit spannenden Ergebnissen.

Ohne eigenes Auto ist man mobiler

Ohne eigenes Auto ist man mobiler – und kommt fast genauso rasch ans Ziel wie mit dem Auto. Die Teilnehmer*innen haben viele neue Mobilitätswege ausprobiert und dabei durchschnittlich täglich um fünf Prozent weiter entfernte Ziele erreicht als davor mit dem eigenen Auto – das entspricht zwei Kilometern. Dafür wurden im Durchschnitt aber nur drei Prozent mehr Zeit pro Tag aufgewendet, das entspricht viereinhalb Minuten. Das Vorurteil, dass man mit dem Auto in Wien schneller ans Ziel kommt, kann also entkräftet werden. 

80% der Wege wurden umweltfreundlich zurückgelegt

Während der Testphase haben die Teilnehmer*innen 42,6 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurückgelegt, 19,7 Prozent mit den Öffis, 16,9 Prozent mit dem Fahrrad, 19 Prozent mit Leihautos (als Fahrer*in und Mitfahrer*in) oder Taxis und rund zwei Prozent sonstige Mobilitätsformen (wie z.B. Flugzeit, Schiff, etc.) genutzt. Damit haben die Teilnehmer*innen während der Auto-Wette mehr als 80% der Wege umweltfreundlich zurückgelegt, der Anteil aktiver Mobilität ist um sechs Prozentpunkte gestiegen und die Wege mit dem PKW sind um neun Prozentpunkte (etwa neun Kilometer täglich) gesunken.  

Meisten Kilometer wurden mit den Öffis zurückgelegt

Von Mai bis Juni wurden die meisten Kilometer täglich mit den Öffis zurückgelegt (20,4 Kilometer), gefolgt von Leihautos (als Fahrer*in oder Mitfahrer*in) sowie Taxis (18,1 Kilometer). 5,8 Kilometer wurden geradelt und 2 Kilometer zu Fuß bestritten. Zum Vergleich: Im Testzeitraum April wurden mit dem eigenen PKW 26,8 Kilometer zurückgelegt, mit den Öffis 14,0 Kilometer, 4,2 Kilometer mit dem Rad und 1,9 Kilometer zu Fuß. Der Anteil an Wegen mit dem PKW ist somit um neun Prozentpunkte gesunken. Dies bedeutet, dass sich die mit PKW zurückgelegten Kilometer um ein Drittel reduziert haben und die Teilnehmer*innen stattdessen diese Kilometer mit den Öffis oder dem Fahrrad absolviert haben. Der Juli als klassischer Urlaubsmonat wurde bewusst separat betrachtet. Auch in diesem Zeitraum zeigte sich ein weiterer Anstieg der Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bemerkenswert war, dass rund zehn Prozent aller Wege mit den Öffis mehr als 140 Kilometer lang waren. 

40 Prozent weniger Mobilitätsausgaben ohne eigenen PKW

Durch die Nutzung von umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln während der Auto-Wette konnten 5,5 Tonnen CO2 eingespart werden. Insgesamt konnte damit in drei Monaten so viel Co2 eingespart werden, wie ein kleines Wäldchen mit etwa 440 Bäumen in einem Jahr bindet.  

Ohne eigenes Auto waren die Teilnehmer*innen auch sparsamer unterwegs. Berechnungen der BOKU zeigen, dass die tatsächlichen Mobilitätskosten mit eigenem Auto monatlich bei 425,20 Euro liegen und durch Mobilität ohne eigenes Auto um bis zu 40 Prozent reduziert werden können.  

Herausforderung liegt im ländlichen Raum

Zusätzlich zur quantitativen Analyse wurden 28 Haushalte auch qualitativ in Fokusgruppen und Einzelinterviews befragt. Dabei hat sich gezeigt, dass der Planungsaufwand für die Mobilität anfangs gestiegen ist. Routen und Alternativen zu finden, benötigt Zeit. Aber: Sobald dies erledigt ist, waren die neuen Gewohnheiten schnell etabliert. Als herausfordernd wurden vor allem ländliche Ziele außerhalb Wiens empfunden. Der Zeitaufwand mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln wurde dort im Gegensatz zum Auto als deutlich höher eingestuft. 

15 von 28 Haushalte möchte eigenes Auto verkaufen

Trotzdem möchten 15 der 28 befragten Haushalte das eigene Auto verkaufen oder haben es bereits verkauft. 13 der Haushalte dagegen sehen keine Möglichkeit, den Alltag ohne eigenes Auto zu bewältigen. Als Gründe geben sie an, dass sie regelmäßige Wege außerhalb Wiens oder kleine Kinder im Haushalt haben – oder die zu geringe Verfügbarkeit von Carsharing. Viele jedoch haben sich umgestellt und nutzen jetzt einen Mobilitätsmix. 

Auto-Wette war ein Gewinn für alle

„Bei dieser Wette haben alle gewonnen. Viele der Teilnehmer*innen haben ihr Mobilitätsverhalten sogar nachhaltig geändert und das eigene Auto verkauft. Es hat sich gezeigt wie viel auch ohne Auto-Schlüssel möglich ist und dass der eigene PKW in der Stadt nicht nötig ist. Neue Gewohnheiten haben sich etabliert und damit auch einen Beitrag fürs Klima geleistet“, sagt Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien.  
 

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