Von der Remise Erdberg zum Wiener Linien Museum

Hier erfahren Sie, wie das Wiener Linien Museum entstanden ist.

Wie kommt es eigentlich, dass in der Remise so viele historische Fahrzeuge stehen? Und wer hat sie gesammelt? Hier ein kurzer Überblick über die Entstehung der Sammlung:


Mitte des 20. Jahrhunderts: Das Auto ist "in", Straßenbahnen sollen weg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Europa wieder aufgebaut. Das Fortschrittsdenken ist vom Ideal der "autogerechten Stadt" geprägt: Das Auto ist das Maß der Dinge. Straßenbahnen sind "out" und sollen weg. In vielen Ländern werden Straßenbahnen rückgebaut und durch Autobusse ersetzt. In der Ausstellung zeugt unser Doppeldeckerbus von dieser Epoche: Er ersetzte Straßenbahnen auf den Linien 13A, 61 (später 59A), 15A, 39A (später 35A) und 48A.

Übrigens: Weil das in Wien nicht ganz so schnell ging wie in anderen Ländern, hat Wien heute das sechstgrößte Straßenbahn-Netz der Welt. 

Mutige Eisenbahn-Fans retten wertvolle Fahrzeuge

Während also der Trend zum Auto(bus) geht, beginnen einige engagierte Privatpersonen, historisch wertvolle Fahrzeuge vor der Verschrottung zu retten. Dies gelingt teilweise nur gegen größte Widerstände, denn die damalige Zeit ist einerseits durch Mangel und Knappheit, andererseits durch das Streben nach Fortschritt geprägt.

Um die Bemühungen dieser Einzelpersonen zu unterstützen und die Kräfte zu bündeln, wird 1950 der Verband der Eisenbahnfreunde (VEF) gegründet, 1966 folgt das Wiener Tramwaymuseum (WTM). Ihr Ziel: historisch bedeutende Fahrzeuge vor der Verschrottung retten, restaurieren, ausstellen und bei Sonderfahrten der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Sammlung ist die größte und kompletteste Sammlung der Welt, die den öffentlichen Verkehr einer einzelnen Stadt dokumentiert.

Private Eigentümer und Wiener Linien tun sich zusammen: Das Museum entsteht

1985 schließen die Wiener Linien mit den privaten Eigentümern der Sammlung ein Abkommen, das die Errichtung des Straßenbahnmuseums regelt. Halle IV in der ehemaligen Remise Erdberg wird zur Ausstellungshalle umgebaut. Die Wiener Linien überstellen einige Fahrzeuge in den Betriebsbahnhof Erdberg. Die beiden Vereine VEF und WTM stellen ihre Wagen für das neue, viel größere Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung. Ab Mai 1986 sind die Fahrzeuge an Wochenenden in der Remise Erdberg zu besichtigen - der Museumsbetrieb in der Remise beginnt.


Was ist eine Remise?

Eine Remise ist ein Unterstand für Fahrzeuge und Geräte. Das Wort stammt aus dem Französischen und ist von remettre abgeleitet, das so viel bedeutet wie wieder hinstellenversorgen. In Österreich wird das Wort noch heute verwendet, um einen Betriebsbahnhof für Straßenbahnen zu bezeichnen.

Die ehemalige Remise Erdberg: authentische Heimat für das Wiener Linien Museum

Das Wiener Linien Museum ist in der ehemaligen Straßenbahn-Remise Erdberg untergebracht, die von 1901 bis 1990 als Betriebsbahnhof der Linien D und 18 in Betrieb war. Ab 1985 wurde die Remise schrittweise zum Ausstellungsort für das Wiener Straßenbahnmuseum umgebaut. Seit 2014 ist das Museum in seiner jetzigen Form in der Remise untergebracht.


Die Geschichte der Remise Erdberg auf einen Blick

 

  • 1901 bis 1990: Die Remise Erdberg ist ein Betriebsbahnhof für Straßenbahnen.
     
  • 1985 wird Halle IV zur Ausstellungshalle umgebaut. Am 31. Mai 1986 - beim 2. Wiener Tramwaytag - eröffnet Bürgermeister Helmut Zilk das Wiener Straßenbahnmuseum. Die Hallen I, II und III beherbergen weiterhin Straßenbahnen der Linien D und 18. 
     
  • Am 6. Jänner 1990 wird die Remise Erdberg aufgelassen. Die Hallen I, II und III werden für den Museumsbetrieb adaptiert.
     
  • Am 13. Juni 1992 - beim 8. Wiener Tramwaytag - eröffnet Bürgermeister Helmut Zilk das fertige Wiener Straßenbahnmuseum. Nun stehen Hallen II, III und IV sowie zwei Gleise in Halle I für die Ausstellung zur Verfügung.
     
  • 1992 bis 2012: Betrieb als Wiener Straßenbahnmuseum 
     
  • 2013 ist es Zeit für eine Neugestaltung. Das Museum wird umgebaut.
     
  • Am 13. September 2014 wird das "Remise - Verkehrsmuseum der Wiener Linien" mit neuem Museumskonzept eröffnet.

Die Sammlung

Das Wiener Linien Museum besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen zur Geschichte des öffentlichen Stadtverkehrs. Sie umfasst historische Fahrzeuge, die die Geschichte des öffentlichen Personenverkehrs in Wien abbilden, ihr Zubehör und andere Objekte wie zum Beispiel Bild- und Textdokumente und Pläne. Unser Ziel ist die möglichst vollständige Dokumentation originaler historischer Straßenbahnfahrzeuge und Autobusse, die in Wien eingesetzt wurden. Das Museum zählt zu den umfangreichsten Originalsammlungen dieser Art weltweit.

Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf dem Zeitraum von ca. 1900 bis heute. Wir zeigen aber auch Fahrzeuge, die die Anfänge des öffentlichen Verkehrs in Wien im 19. Jahrhundert bezeugen, wie der Wiener Stellwagen und die Pferdetramway.

Ein Teil der Objekte gehört den Wiener Linien, der größere Teil stammt aus Privatsammlungen und ist dem Museum als Dauerleihgabe überlassen.