U-Bahn-Kunst gedenkt 800 jüdischer Deportierter


Herminengasse: Projekt in U2-Station Schottenring zeichnet Schicksal von 800 jüdischen Deportierten nach

Kunstwerk in der U2-Station Schottenring beim Ausgang HerminengasseZoom

In der U2-Station Schottenring wurde am 19. Oktober ein neues Kunstwerk eröffnet. „Herminengasse" zeichnet die Schicksale von 800 jüdischen Menschen nach, die zwischen 1938 und 1945 aus der Herminengasse deportiert wurden. Das Kunstprojekt befindet sich im Verbindungsgang von den Bahnsteigen zu den Liften jenes Stationsausganges, der direkt zur Herminengasse führt.

Jede Linie repräsentiert eine Person

Die Künstlerin Michaela Melián, die sich in ihrem Werk mit dem Holocaust auseinandersetzt, zeichnet in ihrem Projekt die Einzelschicksale von 800 jüdischen Menschen nach. Jede Linie steht für eine Person und führt von einem Wohnhaus in der Herminengasse zum Konzentrationslager, in das die Person deportiert wurde. Für die Gestaltung orientierte sich Melián an soziologischen Informationsgrafiken.

 

Publikation vermittelt Ergebnisse des historischen Forschungsprojekts

Grundlage für diese Arbeit ist das wissenschaftliche Forschungsprojekt der Historikerin Tina Walzer. Sie kam zu dem Schluss, dass von 1938 bis 1945 nachweislich 800 jüdische Menschen aus der Herminengasse in unterschiedliche Konzentrationslager deportiert wurden.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden in der Publikation „Herminengasse" aufbereitet, die ebenfalls am 19. Oktober präsentiert wurde. Sie ist zweisprachig verfasst (Deutsch, Englisch), umfasst rund 150 Seiten und wird kostenlos an Schulen, Museen und Institutionen verteilt.

Die Publikation ist ab Montag, 27. November 2017 (Terminänderung wegen Lieferverzögerung), für SelbstabholerInnen kostenlos an folgenden Standorten erhältlich:

Versand ist auf Anfrage möglich. Bitte schreiben Sie an online-redaktion@wienerlinien.at.

Wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit

Günter Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien, unterstreicht die Bedeutung dieses Projekts: „Die Wiener Linien sind sich als städtisches Unternehmen mit langer Tradition ihrer Verantwortung gegenüber der Geschichte dieser Stadt bewusst. Daher war es uns besonders wichtig, an diesem historisch so belasteten Ort nicht nur eine schlichte Gedenktafel anzubringen, um auf das Leid so vieler Menschen aufmerksam zu machen. Der Künstlerin Michaela Melián ist es mit ihrer Arbeit gelungen, die tragischen Ereignisse auf sensible Art greifbar zu machen und in die heutige Zeit zu übersetzen. Das Kunstwerk leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Geschichte unserer Stadt, der wir uns bewusst stellen."

„Herminengasse" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Wiener Linien und KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien. Der 19. Oktober wurde als Eröffnungstermin gewählt, weil vor genau 76 Jahren – am 19. Oktober 1941 – 1.000 Personen vom Wiener Aspangbahnhof ins Ghetto Locz/Litzmannstadt deportiert wurden.

Bilder: © Iris Ranzinger