Nam June Paik

U-Bahn-Wagon-ZiegelZoom

Die Installation „Tele-Archäologie“ des Komponisten, Bildhauers und Videokünstlers Nam June Paik befindet sich in der U3-Station Schweglerstraße, in nächster Nähe des Technischen Museums (Mariahilfer Straße 212).

Wie der Titel nahelegt, besteht die Installation neben aktuellen auch aus veralteten kommunikationstechnischen Geräten. Es war dem Künstler wichtig, darauf hinzuweisen, dass alle elektronischen Geräte sehr rasch veralten und unbrauchbar werden.

Die Installation ist aufgebaut aus einem Teil eines U-Bahn-Waggons, montiert auf einen altes U-Bahn-Drehgestell, ummantelt von Ziegeln aus dem nahegelegenen Wiener Ziegelmuseum, in einer Form, die an einen überdimensionierten altmodischen Backofen erinnert.

In den Öffnungen des Ziegelmantels sind Fernsehmonitore, Tastaturen, Platinen u.ä. untergebracht, an der Stirnseite montiert ist ein altmodisches Telefon.

Zur Zeit der Entstehung waren auf den Monitoren rasch wechselnde Bildfolgen zu sehen, die von einem von Paik selbst erfundenen Synthesizer gleichzeitig drei Videobänder abspielten, deren Inhalt von damals in Gebrauch stehenden Videoplatten übernommen und abgemischt worden war und der sich auf die Sammlung des Technischen Museums, die Einrichtungen einer U-Bahn-Baustelle und die Atmosphäre Wiens bezogen.

Da der Synthesizer heute nicht mehr funktioniert, können die Bänder nicht mehr abgespielt werden, die Bildschirme sind leer – das Kunstwerk ist sein eigenes Denkmal.

Zur Zeit arbeiten wir gemeinsam mit internationalen Experten an einem Konzept, wie man das ursprüngliche Kunstwerk und seine Funktionen wieder herstellen kann, ohne den ästhetischen Wert und die künstlerische Originalität zu beeinträchtigen.

 

Nam June Paik, geboren 1932 in Seoul, Südkorea, studierte in Seoul, Tokio und an verschiedenen deutschen Universitäten Musik- und Kunstgeschichte. Fasziniert von der Musik Schönbergs lernte er dessen Schüler John Cage kennen, der ihn zur bildenden Kunst brachte, zusätzlich interessierte er sich für Physik, insbesondere Elektronik.

Auf diesen unterschiedlichen Kenntnissen baut sein innovatives künstlerisches Werk auf: er komponierte, war Pionier der Videokunst und schuf elektronische Medienkunst. Hochgeehrt (u.a. erhielt er 1998 den international höchst geschätzten Kyoto-Kunstpreis) starb der durch „marxistische Taufe“ (zit. nach Günter Berger, Wiener Kunsthefte März 1992) überzeugte Weltbürger 2006 in Miami Beach, Florida.

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