Adolf Frohner

ca. 55 Schritte durch EuropaZoom

1993 schuf Adolf Frohner für die Verbindungspassage U3-U6 in der U-Bahn-Station Westbahnhof, die unter dem „Europaplatz“ liegt, sein Kunstwerk „Ca. 55 Schritte durch Europa“. Anlass war die seit den 1980er Jahren währende Diskussion über den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, der dann am 1.1.1995 erfolgte.

Adolf Frohner erzählt in einem ca. 40 Meter langen, mit Malerei, Objekten und Skulpturen gestalteten Fries die Geschichte der europäischen Menschheit. Er zeigt charakteristische Bildsymbole für jene Geschichtsepochen Europas, in denen wir aus heutiger Sicht eine kulturelle Einheit Europas erkennen.

Das Kunstwerk beginnt mit nackter Erde, aus der Pflanzen wachsen, mit roh behauenen Feuersteinen und frühen menschlichen Werkzeugen aus Stein und Knochen: die Kultur der Steinzeit umspannte Europa vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer. Das Römische Weltreich wird durch Säulen und lateinischsprachige, in Stein gemeißelte Inschriften dargestellt.

Das Mittelalter steht im Zeichen des Kreuzes, für das Frohner ein Aktionsrelikt aus seinem Atelier in das Kunstwerk eingebaut hat. Die Renaissance vertritt der Erfinder, Forscher und Künstler Leonardo da Vinci.

Die Gegenwart des späten 20. Jahrhunderts symbolisiert Frohner durch eine Wand und Säulen davor aus Nirosta, wo geometrische Grundformen dominieren. Den Abschluss des Werkes bildet eine glatte Kugel als Inbegriff der Perfektion und Rationalität.

Die „Ca. 55 Schritte durch Europa“ versammeln Zeichen als Informationsträger über historische Epochen und laden ein, sich mit diesen Zeichen forschend und diskutierend auseinanderzusetzen.

 

 

Adolf Frohner, 1934 – 2007, wurde in Groß-Inzersdorf, Niederösterreich, geboren und ging in Zwettl und Krems in die Schule. Er war zwar Gasthörer an der Akademie der bildenden Künste in Wien, blieb aber als Künstler trotzdem Autodidakt.

Anfang der 1960er Jahre beteiligte er sich am Wiener Aktionismus, Aufsehen erregte er mit der gemeinsam mit Otto Mühl und Hermann Nitsch durchgeführten Einmauerung in der Perinetgasse in Wien 1962. In den 1960er Jahren nahm er an vielen internationalen Ausstellungen teil und erhielt zahlreiche Preise.

1975 wurde er Ordentlicher Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Neben dem Kunstwerk in der U-Bahn-Station Westbahnhof schuf er weitere Arbeiten für den öffentlichen Raum, darunter ein Wandbild für den Flughafen Wien-Schwechat.

2007 wurde das Forum Frohner im ehemaligen Minoritenkloster Krems-Stein eröffnet. Malereien und Druckgraphiken von Adolf Frohner befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen in der ganzen Welt.