Nachhaltig in die Zukunft

Die Wiener Linien betreiben flächendeckend den öffentlichen Personennahverkehr Wiens und tragen somit zur hohen Lebensqualität in der Stadt bei. Im Zentrum steht dabei die nachhaltige Ausgewogenheit zwischen sozialer Verantwortung, Wirtschaftlichkeit und ökologischen Interessen.

Ressourcen schonen, Energieverbrauch reduzieren, CO 2-Emissionen senken – je weniger Energie wir für das Fahren verbrauchen wollen, desto mehr Energie müssen wir in neue Ideen stecken. Denn es ist die Summe vieler kleiner Schritte, die den Weg in eine nachhaltige Zukunft möglich machen. Eines steht für die Wiener Linien aber bei allen Maßnahmen außer Frage: Eine klimafreundliche Mobilität ist der Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft in der Stadt – und die ist auf Schiene.

Jede Öffi-Fahrt rechnet sich

Deshalb investieren wir laufend in das Netz, verdichten Intervalle, verlängern bestehende Strecken und schaffen neue Verbindungen. Das macht sich bezahlt – für die Fahrgäste und für die Umwelt. Denn wer auf Öffis umsteigt, spart pro Jahr bis zu 1.500 kg CO2-Emissionen ein.

Konkret führten die steigenden Fahrgastzahlen bei den Öffis bereits zu einer jährlichen Einsparung von 130 Gigawattstunden fossiler Energie im Straßenverkehr. Das entspricht dem Energiebedarf einer Kleinstadt in der Größe von Judenburg oder Kitzbühel.

Jeder Schritt zählt

Je mehr Menschen das Auto stehen lassen oder gar auf den Besitz überhaupt verzichten und auf die Öffis umsteigen, desto besser entwickelt sich die Energiebilanz der Stadt. Denn lediglich fünf Prozent des Gesamtverbrauches für Mobilität entfallen auf die Wiener Linien. Damit machen die Öffis nur ein Prozent des ökologischen Fußabdruckes der Stadt aus, obwohl 39 Prozent aller Wege in Wien mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

Trotzdem sind wir laufend auf der Suche nach weiteren „Rädchen", an denen wir drehen können, um noch effizienter und nachhaltiger zu werden. Denn Sparpotenziale gibt es überall. Immerhin benötigen die Wiener Linien jährlich rund 700 Gigawattstunden (GWh), um die Stadt in Bewegung zu halten – vergleichbar etwa mit dem gesamten Energieverbrauch einer Stadt in der Größe von St. Pölten.

  • Heiß: Einige U-Bahn-Stationen und Betriebsgebäude sind mit Erdwärmepumpen ausgestattet – ein Pilotprojekt, das 2008 mit dem Staatspreis Verkehr gewürdigt wurde. Auch bei neuen U-Bahn-Stationen planen wir nachhaltig und nutzen zusätzlich die Abwärme von Computern in technischen Räumen.

  • Sauber: 17 Waschanlagen sorgen dafür, das Bus, Bim und U-Bahn nicht schmutzig aus der Wäsche schauen. Um den Wasserverbrauch zu reduzieren, wurden sie alle mit einer eigenen Aufbereitungsanlage aufgerüstet. 90 Prozent des Wassers eines Waschganges – immerhin knapp 3.000 Liter oder 10-20 Vollbäder – können so wiederverwendet werden.

  • Hell: Alte Leuchtstoffröhren haben ausgedient. Heute geben stromsparende LED-Leuchten in den Fahrzeugen und Stationen den Ton an. Rund 9.600 Leuchtröhren auf U-Bahnsteigen wurden bereits getauscht und verbrauchen nun bei gleicher Leuchtkraft halb so viel Energie. Etwa 1,5 GWh können so bereits jährlich eingespart werden. Das entspricht dem Stromverbrauch von mehr als 430 Wiener Haushalten.

  • Bewusst: Vorausschauendes Fahren hilft beim Sprit- und Energiesparen – das gilt für die Öffis genauso, wie für den privaten PKW. Bewusstseinsbildung und die Vermittlung einer energieoptimierten Fahrweise sind deshalb in der Aus- und Weiterbildung unseres Fahrpersonals fix verankert.

  • Schnell: Energie- bzw. Treibstoffanzeigen gehören bei unseren neuen Fahrzeugen mittlerweile zur Standardausstattung. Bei der U-Bahn wird die Fahrgeschwindigkeit zusätzlich per Computer optimiert: Ist der Zug zu früh oder zu dicht hinter einem anderen, wird die Geschwindigkeit automatisch reduziert. Das spart Energie und die Züge sind gleichmäßiger unterwegs.

  • Modern: Anders als Autobusse, haben Schienenfahrzeuge eine sehr lange Lebensdauer und bleiben rund 35 Jahre in Betrieb. Umso wichtiger ist es, sie bei der Wartung auf den neuesten Stand zu bringen. Auch durch Forschungsprojekte wie „EcoTram" lernen wir dazu, an welchen Schrauben wir drehen können.

Verjüngungskur hilft Energie sparen

Die Wiener Linien haben 2013 damit begonnen, ihre Busflotte vorrangig nach ökologischen Gesichtspunkte zu erneuern. Die erste Modernisierungsphase wird noch 2016 abgeschlossen und lässt bereits eine erfreuliche Bilanz zu: Der jährliche Energiebedarf der Flotte ist durch die rund 200 neuen Busse um ein Fünftel gesunken.

Auch bei der aktuellen Ausschreibung sind Energieeffizienz, niedrigste Emissionswerte, die deutliche Unterschreitung der Euro-6-Norm, Wirtschaftlichkeit und ein hoher Fahrgastkomfort zentral. Bis Ende 2019 sollen weitere 53 Normalbusse, 84 Gelenkbusse, 62 XL-Gelenkbusse (20m) mit rund 20 Prozent mehr Platz und bis zu sieben große Elektrobusse die Flotte weiter verjüngen.

Kleine „Kraftwerke" auf Schiene

Egal ob Bim oder U-Bahn – fast alle Schienenfahrzeuge der Wiener Linien sind bereits kleine „Kraftwerke": Die Energie, die beim Bremsen frei wird, fließt zurück ins Netz, damit können andere Fahrzeuge in der Umgebung diese Energie beim Anfahren nutzen.

Silberpfeile der zweiten Generation, die U6-Niederflur-Garnituren und die ULF waren bereits ab Werk mit der dafür notwendigen Technik ausgestattet. Mittlerweile haben die Wiener Linien auch die Silberpfeile der ersten Generation und einen Teil der älteren Hochflurstraßenbahnen umgerüstet.

Pilotprojekt: Bremsende Züge sorgen für Beleuchtung in Stationen

Das ist gut und hilft uns, Energie zu sparen. Um die Bremsenergie künftig noch besser zu nutzen, testen wir ab Herbst 2016 eine Pilotanlage im U-Bahn-Netz: Ein sogenannter Wechselrichter soll den Gleichstrom der U-Bahn in Wechselstrom umwandeln, damit er in das Mittelspannungsnetz der Wiener Linien eingespeist werden kann. Bremsende Züge können dann indirekt auch Aufzüge und Fahrtreppen in Bewegung setzen und für Licht in den Stationen sorgen.

E-Mobilität von der Schiene auf die Straße bringen

Mit Bim und U-Bahn sind bereits rund 85 Prozent der Öffi-NutzerInnen elektrisch unterwegs. Aber auch beim Linienbetrieb mit E-Bussen ist Wien Vorreiter: Mit einem weltweit einzigartige Ladesystem werden zwei Linien (2A und 3A) bereits komplett elektrisch betrieben. 150 Kilometer können die Busse mit einer Ladung zurücklegen und zeigen so deutlich, welches Potenzial in Elektromobilität steckt.

2013 konnten die Wiener Linien dafür den Staatspreis Mobilität in der Kategorie „Planen. Bauen. Betreiben." nach Hause holen. Auch vor internationalem Publikum hatten die rund acht Meter langen City-Busse schon ihren großen Auftritt: Beim Song Contest 2015 in Wien brachten sie die TeilnehmerInnen zur Eröffnungsfeier.

Jetzt gehen die Wiener Linien in die Verlängerung: Bis zu sieben zwölf Meter lange Elektrobusse sind bereits ausgeschrieben. Damit ist Wien bald die erste europäische Stadt mit großen E-Bussen im Linienbetrieb und kann eine weitere Linie komplett umstellen. Wien ist Umweltmusterstadt und leistet damit auch einen wichtigen Beitrag zur technologischen Weiterentwicklung bei den Öffis.

Öffis sind Effizienzmeister

In einer wachsenden Stadt muss auch das Verkehrsnetz mithalten. Eines aber bleibt konstant: Die vorhandene Fläche. Rund 41.500 Hektar oder 7.000 Fußballfelder umfasst das Wiener Stadtgebiet. Sechs Prozent davon nutzt der Individualverkehr, die Öffis beanspruchen hingegen lediglich ein Prozent. Und das, obwohl 39 Prozent aller Strecken in Wien bereits öffentlich zurückgelegt werden (PKW: 27 Prozent).

Wie viele Personen im Verhältnis zur genutzten Fläche von A nach B gebracht werden, zeigt wie effizient der vorhandene Raum genutzt wird. Die Wiener Öffis haben hier klar die Nase vorne und sind viermal effizienter als der Individualverkehr. Die U-Bahn ist der Schlüssel zum Erfolg: Sie hat eine enorme Flächeneffizienz und ist sogar 20 Mal effizienter als der PKW.

Mehr Öffis bedeuten also auch mehr Platz zum Leben. Wagt man ein Gedankenexperiment, in dem alle Wege in Wien nur noch öffentlich zurückgelegt werden, zeigt sich das Platzpotenzial deutlich: Rund 500 Hektar könnten dann für andere Aktivitäten genutzt werden. Das entspricht rund 77 Mal der Fläche des Stadtparks. Zum Vergleich: Das Sportamt der Stadt Wien (MA51) verwaltet 363 Hektar Sportflächen. Würden andererseits alle WienerInnen nur mit dem Auto fahren, müssten die Verkehrsflächen verdreifacht werden.